Über mich

Liebe Freunde, Bogensportler und Liebhaber exklusiver Leder-Accessoires

Im Jahre 1965 erblickte ich das Licht der Welt und kam nach wenigen Monaten bereits das “1. Mal” mit Leder in Kontakt. Die Nase meines Teddys wurde das Objekt meiner “oralen” Begierde und ich bin fest der Meinung, dass damals der Grundstein einer symbiotischen Beziehung gelegt wurde. Und auch meine Mutter, die als Näherin in einer Lederschneiderei arbeitete, hatte ihren Anteil daran. Meine Geschwister und ich wurden mit Lederbeinkleidern ausgestattet und wussten fortan immer, diese “2. Haut” als Schutz der Eigenen zu schätzen.

Seit 1999, da mich der Virus des Bogenschießens infiziert hat, fertige ich Leder-Equipment in Handarbeit. In meinem Bekanntenkreis hatte niemand Erfahrungen in diesem Metier, drum musste ich mir die einzelnen Fertigkeiten, wie das Punzieren, Färben und Nähen autodidaktisch aneignen. Da mir die Gabe zu zeichnen von meinem Vater vererbt wurde, skizziere ich alle meine Motive selbst und fertige individuelle Zeichnungen auch nach Kundenwünschen an. Dabei lege ich besonderen Wert auf Ästhetik und Ausdruck der jeweiligen Objekte.

Wer schon mal punziert hat, der kennt die Schwierigkeiten, kleine Nuancen, wie sie auf Fotos zu sehen sind, in das Leder zu punzieren. Und doch ist genau das, die Herausforderung, die ich annehme und versuche so zu verwirklichen, dass die mir nachgesagte Detailverliebtheit, auch den Betrachter oder Kunden begeistert.

Im Laufe meiner Bogen-“Karriere“, die aus Kindheitsträumen 1999 wiedererwachte, habe ich schon einige Bögen erworben und viele Pfeile geschossen, aber noch heute nehme ich ab und zu meinen ersten selbstgemachten Köcher in die Hand, und trage ihn mit Stolz und Ehrfurcht durch den Wald.

Natürlich habe ich durch mein Hobby schon viele Lederstücke gefertigt und diese ebenso lieben gelernt, und doch wird der erste Köcher immer etwas „Besonderes“ bleiben und seinen Platz in meinem Bogenleben haben.

… alle ins Kill – euer Peter

 

Eröffnungsfeier EBHC 2016 in Saalbach

 


Meine Erfahrungen mit der Target-Panic

Liebe Freunde des traditionellen Bogensports,

ich möchte Euch in diesem Artikel von meinen „persönlichen Erfahrungen“ zu dem Thema „Target Panic“ berichten. Und Ich erkläre explizit, dass alle hier geäußerten Annahmen und Aussagen rein subjektiv sind und meine Sicht auf dieses Thema darstellen
Ich spreche bewusst die „traditionellen“ Schützen an, da ich bis heute noch keinen Bogen mit Visier-Einrichtung geschossen habe, und es nicht „offensichtlich“ erkennbar ist, dass diese Schützen Probleme haben zu Ankern. Im Gegensatz dazu, glaube „ich“, dass mindestens 90% aller traditionellen Schützen an Target Panic leiden. Damit meine ich die Kontrolle über das Ankern und den bewussten Ablass.
Ok, ich gebe zu, es ist ein heikles Thema, dass viele verdrängen oder gar nicht wahrnehmen und schon gar nicht darüber reden wollen. Mich hat dieses Phänomen seit 2014 im Griff. Oder besser gesagt, seit dem Titel des Deutschen Vize-Meister Bowhunter, fühle ich mich ständig beobachtet und komme dadurch kaum in den von mir gewünschten Anker.
Konkret ausgedrückt meine ich den Punkt, den ich mit den Fingern meiner Zughand im Gesicht berühren möchte. Und ganz entscheidend, die Zeit, die ich gerne in dieser Position verharren möchte, bis ich das gute Gefühl habe, den Pfeil zielsicher fliegen zu lassen.
Seit 2014 versuche ich also, dieses Problem auf die unterschiedlichsten Arten für mich zu lösen, und von eben diesen „Versuchen“, möchte ich in diesem Artikel berichten. Ich schieße seit 1999 Bogen und bin über den Langbogen, 2010 zum historischen Bogen gekommen. Ich bin Traditionalist und liebe Holzpfeile; zu schießen, individuell zu gestalten, aber auch zu tunen und auf meine Bedürfnisse und Gegebenheiten anzupassen.
Ich kann gar nicht mal genau sagen, ob ich vor 2014 „sauber“ geankert habe, da ich bis zu diesem Zeitpunkt nie darüber nachgedacht hatte, aber wenn ich tief in mich rein-fühle, glaube ich, dass ich schon immer einen eher „unruhigen“ Lösevorgang hatte – um es positiv zu formulieren.
Ich hatte natürlich schon des Öfteren von dem Phänomen „Target Panic“ gehört, es aber als ein Problem der Anderen abgetan. Es gibt viele Artikel im Netz und einige Bücher zu diesem Thema, die ich nur teilweise gelesen habe. Zum einen sind sie mir zu langatmig, zum anderen haben sie mir nicht wirklich weiterhelfen können. Da ich ein pragmatischer Mensch bin, wollte ich das Thema kurz und prägnant angehen und lösen – so schwer kann das doch nicht sein.
..dachte ich
Seit nunmehr 4 Jahren experimentiere ich herum und versuche durch die unterschiedlichsten Trainingsmethoden, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Oft hatte ich das Gefühl, jetzt hast Du es geschafft, doch wurde ich auf Turnieren, also im Wettkampfmodus, eines Besseren belehrt. Ich versuchte das Problem als ganzes zu lösen und „einfach“ nur das lange Ankern zu üben. Doch das hatte wenig Erfolg.
Jetzt, da ich diesen Artikel beginne, es ist März 2018, fühle ich „EINEN“ Schritt vorangekommen zu sein. Was das genau bedeutet, erkläre ich etwas später, doch für mich ist es ein kleiner Schritt, in die richtige Richtung. Ich sage bewusst, dass es ein „kleiner“ Erfolg ist, da mir viele erfahrene (alte) Bogenfreunde erklärt haben, dass man die Target Panic nicht beheben kann. Eine Aussage von Kalle: „Wenn Du das Bogenschießen liebst und weiter betreiben möchtest, dann finde Dich damit ab. Ich trainiere seit Jahren so, wie ich im Wettkampf schieße – ohne festen Anker“. Damit „abfinden“ ist nicht mein Ding, deshalb habe ich mich entschieden, den Kampf aufzunehmen und mich selbst zu bezwingen. Das es so schwer wird, hatte ich nicht gedacht. Ich, bzw. mein „Geist“, wenn ich davon sprechen darf, ist stark ausgeprägt und setzt sich immer wieder durch. Also muss ich gestehen, mein Fleisch ist wohl viiiiel zu schwach 😉.
Doch ich werde ALLES versuchen und mir die nötige Zeit geben, dieses Problem ausgiebig zu bekämpfen. Darum habe ich das Jahr 2018 zum TP-Jahr für mich erklärt – soll heißen – egal wie ich abschneiden werde; Ziel ist es, am Ende des Jahres zumindest bei jedem Schuss in den Anker zu kommen und kurz zu halten. Egal, wo auch immer der Schuss dann landet oder wie der Lösevorgang aussieht. Sollte ich nämlich das können, kann ich dann an den Lösevorgang gehen. Aber das ist Zukunftsmusik und kann vielleicht auch 2 Jahre dauern (hoffentlich nicht 😉))
Ich hatte schon oft gedacht, über dieses Problem zu schreiben, jedoch haben mich verschiedene Gründe davon abgehalten. Um nur einige wichtige zu nennen, wäre das „outen“ das größte Problem, da ich dann ja noch mehr im Fokus stehen würde. Was wiederum aber auch gut wäre, um keine Ausreden zu haben und losgelöst zu sein von dem, was „andere“ denken (das kann ich im allgemeinen Alltag schon ganz gut umsetzten, beim Bogenschießen eher nicht 😉). Ein weiterer Grund war, dass es sich nicht lohnen würde, weil ich es ja recht schnell beheben werde, oder aber auch „nicht so viel darüber nachdenken, sonst manifestiert sich das noch“.
Letztere Gründe waren 2014/2015 vorherrschend. Diese 1. Phase des Trainings war unstrukturiert und sprunghaft. Mal habe ich mich auf ein einzelnes Problem eingelassen (ohne es aber wirklich ganz behoben zu haben), mal den ganzen Schießablauf ausgeführt, aber ohne den Pfeil fliegen zu lassen. Grob gesagt, vieles versucht, aber nicht konsequent genug.
2016 probierte ich es mit unterschiedlichen Auszugs-Methoden und diversen Anker-Varianten. Ich versuchte es mit der Zähl-Methode und das sowohl leise, als auch laut – Problem war, dass ich entweder nicht bis zur gewünschten Zahl gekommen bin, oder dann vor Schreck gelöst habe. Ich konnte mich nicht wirklich auf eine Zahl fixieren, zuerst wollte ich bis 3, dann bis 2 zählen – klar, weil ich bis 3 nie richtig kam. Dann ganz extrem mit 5 (Sekunden im Anker); was ich wieder aufgab, da es wohl eher schädlich für einen „historischen Bogen“ sei. Die Atem-Technik war ein weiter Schritt auf der Leiter des Misserfolges – Ich konnte beim Training alles perfekt, doch beim Turnier habe ich nur noch aufs Atmen geachtet und nichts anderes mehr mitbekommen. Als das jeweilige Turnier beendet war, bin ich aus meiner Trance erwacht und hatte einen „Sche..-Tag“ gehabt ohne Spaß UND Erfolg. Es folgten weitere eigens erstellte Trainings-Varianten – ebenfalls weniger erfolgreich – es wollte einfach nicht funktionieren. Tja, erzwingen kann man nun mal nichts.
Zu diesem Zeitpunkt war ich einfach „noch“ zu ungeduldig und wollte immer wieder „nur“ schießen und Turniere besuchen. Die Ergebnisse waren auch nicht soo schlecht, dass ich unbedingt etwas ändern musste; dachte ich dann ab und zu, um mich zu beruhigen – sehr trügerisch.
Also, das konnte nur in die Hose gehen. Nach einigen weiteren Monaten war das deprimierende Fazit – so wird das nichts.
Also erst mal lesen, was die Anderen so Schreiben. Da ging es viel um die Psyche und Mental-Coaching etc. – das brauche „ICH“ doch nicht. Gut, ich habe bis heute kein Coaching gehabt, bin mir aber nun im Klaren, dass es sowohl eine psychische Komponente als auch eine, ja wie beschreibe ich das??? – eine Verhaltensmuster-Komponente gibt. Die Psyche ist abhängig vom meinem Befinden, Gefühl und Selbstbewusstsein, während sich diese Verhaltens-Komponente ausschließlich auf mein Gehirn und die abgespeicherten Muster bezieht. Das heißt konkret, immer, wenn ich mich im Wettkampfmodus befinde, und das neu gelernte abrufen will, macht mein Gehirn das, was es die letzten Jahre immer so gemacht hat – also nicht, oder nur teilweise ankern. Abhängig vom Schwierigkeitsgrad des Schusses, ist es mehr oder weniger ausgeprägt. Dabei ist es nicht nur davon abhängig, ob es ein kleines Target auf eine relativ weite Distanz ist, oder ein Kategorie 1 Tier auf 54 Meter. Handelt es sich um ein „normales Ziel“, dass aber bereits alle anderen Schützen in der Gruppe getroffen haben, wird der innere Druck immens. Ich gehe mal davon aus, dass es allen Schützen so geht, also auch den „Visierschützen“. Nur kommen die in Ihren Anker und ich nicht 😉
Als ich am 31. Dezember 2016 Resümier zog, musste etwas „Entscheidendes“ passieren:
1. Stehe endlich dazu, dass Du nicht ankern kannst und unter TargetPanic leidest
2. Gehe strukturierter und sachlicher an das Training
2017 habe ich dann begonnen, Notizen zu machen und Trainingsvideos aufzunehmen und zu speichern. Ja, Ihr lest richtig, ich habe mich beim Schießen aufgenommen. Nicht schön, aber selten; und es hilft auch heute noch, wenn ich einzelne Abschnitte meines Schussablaufs „sichtbar“ mache und wirklich wahrnehme. Als ich mir diese Aufzeichnungen vor einiger Zeit mal wieder angesehen habe, fasste ich den Entschluss, diesen Artikel zu schreiben. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen, oder es unterhält/belustigt Euch ein wenig.
Also, seit 2017 geht es nun stetig etwas aufwärts. Nicht zuletzt durch die klare Trennung in 3 Bereiche des Trainings/Erfolges. Das sind:
1. Trainings-Modus – also nur ich alleine
2. Schießen mit „anderen Personen“, zuerst Freunde, dann Unbekannte
3. Turnier- und Wettkampf-Modus
Soll bedeuten – wenn ich ein explizit definiertes Ziel (z.B. sauber Nachhalten) nicht im Trainings-Modus mit mir alleine hinbekomme, brauche ich es gar nicht beim Schießen mit Anderen oder auf einem Turnier probieren.
Wenn ich es aber zufriedenstellend allein abbilden kann, gehe ich eine Stufe weiter und schieße mit Freunden, die mich kennen und wissen, wie „gut“ ich „theoretisch“ schieße. Klappt es auch da, werden „fremde“ Schützen involviert, und bei Erfolg gehe ich auf ein Turnier. Funktioniert eine dieser Stufen nicht, wird solange auf dieser Stufe trainiert, bis ich es im Wettkampf-Modus abliefern kann.
Der nächste Schritt war die exakte Definition des Trainings:
Um mein Problem zu lösen, muss ich genau es genau kennen und ganz konkret beschreiben können. Dabei stellte sich im Laufe des Trainings heraus, dass es nicht ein Problem an sich ist, dass ich zu lösen habe, sondern viele Teil-Probleme, die nach und nach angegangen und abgearbeitet werden müssen.
Definition meines Problems im Detail:
Wann tritt es auf: In Wettkampfsituationen oder bei größerer Publikumsmenge
Welche Teilabläufe des Schusses sind betroffen: Ankern an der richtigen Stelle im Gesicht, Verbleiben im Anker für ca. 2 Sekunden, sauberes Lösen, Nachhalten bis der Pfeil das Ziel getroffen hat (oder nicht)
Welche Komponenten des Körpers betroffen: Hirn (sofern vorhanden – da zweifle ich manchmal wirklich dran) und die Physis/Kondition, da bei längerem Verbleiben im Anker, mehr Kraft aufgebracht werden muss, um ruhig, ohne nachzugeben, gehalten werden kann (112 Schuss pro Tag im Feld- u. Jagd-Modus)
Weiter ging es dann in die Umsetzung der gesetzten Ziele:
Dazu habe ich erneut meine Kamera auf ein Stativ gestellt und einige Schüsse aufgenommen. Diese dann angesehen und fast geheult. Wie kann ich Turniere gewinnen, mit so einem Anker, wenn man das überhaupt so bezeichnen kann. Bevor ich diese Videos gesehen habe, hatte ich gedacht (und mir insgeheim eingeredet), dass mein Anker gar nicht soo schlecht sei. Das war wohl eine krasse Fehleinschätzung.
…seitdem trainiere ich als 1. GROSSES Ziel – IMMER zu ankern und zu verharren
Weitere Ziele in den unterschiedlichen Stufen des Trainings sind dann der Lösevorgang und das Nachhalten…
Also, zum derzeitigen Zeitpunkt – März 2018, kann ich beim Schießen mit Freunden und Vereinskameraden schon regelmäßig ankern und ab und zu auch mal 1 – 2 Sekunden in demselben verharren. Mein derzeitiges Problem ist es gerade, das saubere lösen hinzubekommen. Ich „spiele Harfe“ und zwar manchmal so krass, dass der Pfeil auf 18m teilweise 1 -2 Meter das Ziel verfehlt. Beim Training ist das ärgerlich, aber ok. Beim Turnier ist es peinlich und ich denke wieder, „was jetzt wohl die anderen denken“ – wie dämlich, oder? Danke für die stille Zustimmung, aber ich arbeite wie gesagt dran.
Noch vor 2 Monaten, bei der Meisterschaft Regional Süd in der Halle, verfiel ich wieder in den alten Modus, also ohne festen Anker zu schießen. Die ersten 2 Passen konnte ich ca. eine Sekunde ankern und hatte gute Ergebnisse, was mich wieder denken lies, dass alle nur auf mich gucken. Bitte nicht falsch verstehen, ich halte mich absolut nicht für so wichtig, dass alle nur auf mich achten, aber mein innerstes selbst, macht es mich glauben. Das wird mir wohl noch das ein oder andere Mal passieren, denn es ist abhängig von vielen unterschiedlichen Faktoren. Die Menschen, die drumherum sind, meine physische, psychische und emotionale Konstitution und wie wichtig der Wettkampf für mich ist. Sei´s drum – das ist der Stand heute…
Heute kann ich „vorerst“ rückblickend sagen, jede einzelne Phase, mit den daraus gewonnen Erkenntnisse waren wohl nötig, um mich selbst besser kennenzulernen und zu den heutigen Erkenntnissen zu kommen. Es waren „einige“ unnötige und diskussionswürdigen Phasen dabei, über die ich heute lachen kann…

Stand November 2018
Zurückblickend auf das Jahr 2018, möchte ich die beiden internationalen Meisterschaften, die EBHC in Deutschland und die WFAC in Südafrika, bezüglich meines in der TB 82 veröffentlichen Artikels weiter fortführen.
Bis heute habe ich viele unterschiedliche Meinungen erhalten und kontroverse Diskussionen zu den Artikeln von Volker und mir geführt – Danke dafür!!!
Der Stand im März letzten Jahres war folgender:
Ich konnte während meines Trainings und beim Schießen mit Freunden bereits einigermaßen Ankern und ab und zu auch mal für 1-2 Sekunden darin verharren. Da ich mir ein Zielsystem für Schüsse ab 40 Metern zugelegt hatte, konnte ich bei diesen Distanzen immer Ankern. Das Problem war allerdings, dass ich den Arm nicht entsprechend heben konnte und somit zu früh gelöst habe.
Auf der EBHC wurde dieser Stand absolut bestätigt. Alle 3-D-Tiere auf Distanzen größer 40 Meter, kam ich „immer“ in den Anker (auch für 2-3 Sekunden) habe es aber nur ganz selten geschafft, den Bogenarm so hoch zu heben, dass das gewünschte Zielsystem auch erfolgreich ausgeführt werden konnte. Sprich, 90 % dieser Schüsse waren zu kurz; hinzu kamen noch die Lösefehler (Harfe, etc.). Alle nahen oder mittelweiten Ziele, konnte ich nicht Ankern oder so zittrig, dass gar kein „ordentlicher“ Schuss zustande kam. Die ersten beiden Tage bin ich immer wieder in den „alten Modus“ zurückgefallen und habe mit dem jahrelang, eingeprägten Schießsystem einigermaßen getroffen. Am 3. und 4. Schießtag habe ich mich dann gezwungen, bei jedem Schuss zu Ankern, egal bei welcher Entfernung – grauenvoll, kann ich Euch sagen.
Was aber absolut positiv bei der EBHC zu bewerten ist, ist das unglaubliche Phänomen, dass ich beim Einschießen, bei dem hunderte fremde Schützen neben mir standen, fast immer sauber Ankern konnte – und das bei jeder Entfernung. Doch sobald ich am Pflog stand, war die Panik wieder da – unbelievable.
Die 3 Monate bis zur WBHC habe ich mich voll auf das Ankern und Heben des Bogenarms konzentriert und hatte supertolle Erfolge – sowohl beim Training, bei mir am Haus, oder im Parcour und sogar mit befreundeten und fremden Schützen. Die Euphorie war hoch und ich hatte auf dem Scheiben-Parcour meines Vereins, der Kaufbeurer Buronen, Runden von 230 – 270 Punkte. Egal ob Feld- oder Jagdrunde, ich konnte das geübte abrufen und mein altes Verhalten komplett ablegen.
Mit diesem Gefühl bin ich dann nach Südafrika geflogen und hatte unglaubliche eineinhalb Wochen auf der Elgro River Lodge. Zwar hatte ich 4 Tage vor Abflug noch einen Hexenschuss, konnte aber relativ problemfrei anreisen und schießen. Da unsere Gruppe mit Jutta, Petra, Simone, Friedhelm, Matze, Ralf, Willi plus Anhang schon ein paar Tage früher angereist waren, konnten sich die meisten von uns super akklimatisieren. Die Practise-Range befand sich nur ca. 100 Meter von unserer Lodge entfernt, was uns natürlich zum regen Training animierte. Unser Team, bestehend aus allen Bogenklassen, also von historischen Schützen, über Recurve- und Compound-Schützen, konnte einige Weltmeister-Titel ergattern, auch wenn ich nicht dazu beitragen konnte. Denn…
… da waren sie wieder, meine (3) Probleme (um es mit Otto Walkes Worten zu sagen).
Erster Schiesstag, erste Scheibe, 50 Meter – ich kam in den Anker, konnte 2-3 Sekunden halten, aber der Bogenarm wollte einfach nicht ins Ziel nach oben gehen. 4-mal zu kurz. Hmmm, das gibt´s doch gar nicht. 2. Ziel, 45 Meter wieder genau das gleiche Problem. Das nächste Ziel war eine kurze Entfernung von 17 Metern. Ich trete an den Pflock und schon merke ich in mir totale Nervosität aufsteigen. Ich ziehe den ersten Pfeil aus und löse ihn noch bevor ich zum Ankerpunkt gelangen konnte. Was ist denn das für eine SCHE… Vorhin noch beim Einschießen mit all den Schützen, die auch in meiner Gruppe waren, lief ALLES einwandfrei und nun war es wie weggeblasen. Kurze Konzentrationsphase vorm 2. Schuss dieses Ziels – und – der gleiche Dreck.
Die Target-Panic hatte mich wieder.
Ich versuchte bei den nachfolgenden Zielen immer wieder mein in den letzten Wochen antrainiertes Ankern, Heben, Lösen abzurufen, doch es war katastrophal. So ging der erste Tag dahin und meine Vorsätze, sauber zu Ankern, ruhig ins Ziel zu gehen und an der Wange zu lösen, lösten sich in Wohlgefallen auf.
Nach ein paar „Black Labels“ und ein paar Amarula, ein Sprung in den kalten Pool, wollten Matze und ich noch eine Trainingseinheit einlegen. Ok, mit dem Alkohol-Spiegel war ich zwar total entspannt und locker, aber die Ergebnisse ließen zu wünschen übrig. Nicht weil ich nicht anken oder halten konnte, nein, irgendwie konnten meine Augen kein Ziel mehr fixieren. Egal, morgen wird alles besser.
Nächster Schiesstag – Jagdrunde – 1. Scheibe 13 Meter – volle Konzentration – Pfeil eingenockt, Ziel fixiert, Bogenhand leicht angehoben, Auszugsphase – und weg war der Pfeil. Ich kam zwar bis zum Ankerpunkt, aber ohne dort zu verharren. Schlimmer noch; ich spielte Harfe und der Pfeil flog in die weite Steppe Afrikas. Alle Schützen guckten verdutzt und munterten mich auf – Los komm Peter. Es half nichts. Der Tag verlief wie der davor. Ab Mittag bin ich dann wieder in das alte Verhalten zurückgefallen und konnte wenigstens ein paar Punkte auf die Score-Karte bringen.
Und genau das war es, was mich am Abend fuchsteufelswild machte!!! Hatte ich mir nicht fest vorgenommen, nicht auf die Punkte zu gucken und mein System durchzuziehen, egal was auch passiert. So schwach und inkonsequent wollte ich nicht sein, doch ich musste den Tatsachen ins Auge sehen – ich wollte aufs Treppchen. Klar, es waren nur 4 Schützen in meiner Stilart, da war die Wahrscheinlichkeit groß.
Diese Erkenntnis, dass ich soo punktegeil bin und unbedingt einen Titel ergattern wollte, der sowieso fraglich war, brachte mich wieder einen Schritt weiter, mich zu verstehen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Denn sind wir mal ehrlich, wenn nur 4 Konkurrenten da sind, ist ein Weltmeistertitel oder Vizeweltmeister nicht wirklich etwas Wert, es sei denn, man schießt auch die Punktezahl, die weltmeisterlich ist – so wie der Weltmeister Esa – Respekt und Gratulation nochmals. Wir anderen 3 Schützen unserer Stilart waren allesamt nicht gut drauf und konnten nicht annähernd an ihn rankommen. Esa hätte sogar den letzten nicht mitzuschießen brauchen und wäre trotzdem sicher Weltmeister geworden!!!
Egal, den 3. Schiesstag ging ich mit der Prämisse ran, keine Kompromisse einzugehen. Es war die Tierbildrunde und der Parcour war unglaublich schön. Strauße ästen nur wenige Meter vom Pflog entfernt und eine kleine Gnu-Herde lief an uns vorbei. Die ersten Ziele schoss ich wieder katastrophal, was natürlich in viele Suchaktionen endete. Aber ich habe es durchgezogen, so grausam es auch für meine Mitstreiter war – sorry dafür!!!
Von Schuss zu Schuss, wurde es immer etwas leichter zu ankern. Vielleicht auch, weil sowieso schon alles egal war; die Aussicht auf ein gutes Ergebnis und auf einen Podestplatz erst recht.
Dann, 10.10.2018, ca. 13:30 Uhr, 11 Meter auf den Fuchs. Ich steh am Pflock und gehe meine Abläufe noch einmal durch. Ziehe den eingenockten Pfeil bis zur Wange und stehe plötzlich im Anker. Ich verharre ca. 1-2 Sekunden und hämmere den Pfeil ins Kill. Alle jubeln und ich bin total verdutzt. Wie war das jetzt gegangen? Hatte ich gedacht oder war es soo passiert??? Ok, 2. Pfeil – konzentriert. Ich nocke den Pfeil ein, fixiere den Fuchs, hebe die Bogenhand, ziehe meine Zughand zu meinem Ankerpunkt und HALTE – Wahnsinn – ich halte!!! Der Pfeil löst sich, ob gewollt oder nicht, ich kann es nicht sagen. Aber ich treffe den Fuchs erneut in Killnähe. In mir geht ein Feuerwerk der Freude ab – ein unbeschreibliches Gefühl, dass mit Worten nicht wiederzugeben ist – überwältigend!!! Ich bitte meine Mitstreiter, auch den 3. Pfeil schießen zu dürfen und bekomme mit Freude in ihren Augen die Erlaubnis. Und auch diesen Pfeil schieße ich, wie ich es mir (ungefähr) gewünscht habe. Alle jubeln und freuen sich mit mir – denn sind wir mal (wieder) ehrlich, ein Schütze in der eigenen Gruppe, der nichts oder fast nichts trifft, tut einem leid und zieht die Stimmung runter. An alle meine Gruppenmitglieder mit denen ich in den letzten Monaten geschossen habe oder noch werde – ES TUT MIR LEID !!!!
War das der oft zitierte Wendepunkt? Sollte es dieser eine Moment gewesen sein, der alles wieder normalisiert? Werde ich von nun an wieder ohne Target-Panic schießen können?
N E I N, aber es ist deutlich besser geworden. Habe ich an den ersten beiden Schiesstagen vielleicht 50 mal pro Tag geankert (allerdings bedingt durch das neue Zielsystem), waren es am 3. Tag bereits ca. 70 Schüsse. Alle Pfeile, die ich nach dem Fuchs geschossen habe, habe ich geankert – und DAS ist genau das, was ich mir für Südafrika vorgenommen hatte.
Die Schießtage 4 und 5 waren vom Ergebnis her auch eher schlecht, jedoch habe ich von den jeweils 112 geschossenen Pfeilen, am Donnerstag 104 geankert und am Freitag 112 von 112. Zur Erklärung des Donnerstages – ich habe versucht bei zwei weiten Zielen von oben reinzugehen (ich weiß, dass ist verboten und kann gefährlich sein. Aber ich habe mir Ziele ausgesucht, bei denen ich niemanden verletzen oder gefährden konnte; allerdings hat es mich 3 Pfeile gekostet.
Somit habe ich den letzten Platz belegt, vierter von vieren, jedoch sehr glücklich über das Erreichen meines mir gesteckten Zieles. Ich habe es mir selbst bewiesen, dass ich Ankern und Halten kann und das im Turnier-Modus. Das ist ein extrem gutes Gefühl, das mir wieder etwas mehr Sicherheit gibt und seither wesentlich leichter zu erreichen ist.
Das war Mitte Oktober 2018 und seither habe ich kein weiteres offizielles Turnier geschossen. Ich bin gespannt, wie es im Jahr 2019 weitergeht? Kann ich da anknüpfen, wo ich aufgehört habe?
Denn – ich kann zwar nun einigermaßen ankern, aber nun steht der nächste Punkt auf dem Programm – den Arm während ich im Anker verharre, an die Stelle zu heben, die instinktiv bis 40 Meter, und per System bei Zielen über 40 Meter passen sollte. Und dann sauber zu lösen – viiieeelll Arbeit!!! Aber es macht mir nach wie vor einen Riesen-Spaß Bogenzuschießen. Ich habe im Jahr 2018 ca. 24000 Schuss gemacht – und immer mit Freude und keinerlei Zwang oder Ärger – denn ich liebe diesen Sport!

Ich werde Euch auf dem Laufenden halten..


Ein paar Bilder zum Autoren dieser Web-Seite

 

WFAC 2019 Süd-Afrika

 

Parqour Bow-Targets

 

TJBD 2016

 

DM 2009 – noch mit Langbogen

 

TJBD 2016

 

EBHC 2012 Italien

 

Mein 1. Selbstgebauter